ACTION BPMN #88 – Wat sind’n Daten? Gast: Prof. Volker Stiehl

Die Mission: Datenflüsse verstehen statt nur Kästchen malen. In dieser Episode begrüßt Mirko Prof. Dr. Volker Stiehl. Wer sich mit BPMN beschäftigt, kommt an seiner Methodik nicht vorbei. Der Fokus liegt diesmal nicht auf der reinen Kontrollfluss-Logik, sondern auf dem oft vernachlässigten Treibstoff jedes Prozesses: den Daten. Die Lösung: Datenobjekte in BPMN 2.0 als mechanische Notwendigkeit für die Automatisierung begreifen.

Der Status Quo: Die Ignoranz gegenüber Daten

Viele Prozessmodelle scheitern in der Realität, weil sie Daten als „Anhängsel“ oder reines IT-Thema betrachten. Volker Stiehl räumt mit dem Vorurteil auf, dass BPMN nur für den zeitlichen Ablauf zuständig ist.

  • Das Problem: Modelle ohne klare Datendefinition sind zwar visuell ansprechend, aber für die prozessgesteuerte Automatisierung wertlos.
  • Der Denkfehler: Man glaubt, der Kontrollfluss allein reiche aus. Doch ein Prozessschritt ohne die notwendigen Input-Daten kann nicht starten.
  • Die Konsequenz: Es entstehen „Zombie-Modelle“, die in der IT-Umsetzung teure Nacharbeiten verursachen, weil die Informationslogik fehlt.

Schritt 1: Datenobjekte als Enabler

Volker Stiehl erklärt, warum Datenobjekte und Datenspeicher in BPMN 2.0 keine Kür, sondern Pflicht sind.

  • Input/Output-Beziehungen: Jede Aktivität muss definieren: Was wird benötigt? Was wird produziert? Nur so wird der Zustand des Prozesses greifbar.
  • Zustandsorientierung: Datenobjekte zeigen nicht nur Informationen, sondern den Fortschritt (z.B. „Antrag [geprüft]“). Das ist die Basis für echte Prozesssteuerung.

Schritt 2: Die Brücke zwischen Business und IT

Modellierung ist kein Selbstzweck, sondern Kommunikation.

  • Die gemeinsame Sprache: Datenmodelle sind die einzige Brücke, die Business-Anforderungen und IT-Umsetzung wirklich verbindet.
  • Vermeidung von Halluzinationen: Wenn der Fachbereich Daten fließen lässt, die es in der Datenbank gar nicht gibt, bricht das System bei der Implementierung zusammen. Volker Stiehl plädiert für Realismus in der Modellierung.

Schritt 3: Actionable BPMN

Prozesse müssen „ausführbar“ (actionable) sein.

  • Vom Bild zum Code: Ein korrektes Datenmodell in der BPMN ermöglicht den direkten Übergang in Process Engines (wie SpiffWorkflow, operaton, CIB7 oder Camunda).
  • Effizienzgewinn: Wer vorne bei der Datenmodellierung Zeit investiert, spart hinten das Zehnfache bei der Fehlerbehebung und Systemintegration.

Das Projekt im Detail: Kapitelübersicht

00:02:15 – Begrüßung: Prof. Dr. Volker Stiehl – Der Mann für die ausführbare BPMN
00:05:40 – Die Kernfrage: Warum ignorieren wir Daten in Prozessmodellen?
00:12:10 – Kontrollfluss vs. Datenfluss: Wer steuert hier wen?
00:18:30 – Datenobjekte in BPMN 2.0: Mehr als nur kleine Zettel an den Kästchen
00:25:50 – Zustandsmanagement: Wie Daten den Prozessfortschritt visualisieren
00:32:15 – Realitätscheck: Wenn die Fachabteilung an der IT-Infrastruktur vorbeimodelliert
00:41:00 – Actionable BPMN: Der Weg vom fachlichen Modell zur technischen Instanz 00:48:20 – Datenspeicher: Persistenz und Zugriff in automatisierten Abläufen
00:55:10 – Zusammenfassung: Daten sind der Treibstoff, BPMN ist der Motor


Status: Datensilos aufgebrochen. Modellierungstiefe erhöht. Umsetzungssicherheit gewonnen.

Hausaufgabe: Jedes Kästchen im Modell fragen: „Welche Daten brauchst du zum Starten und was lieferst du ab?“

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