Du verlierst deine Process Engine? Das hört sich nach einem Albtraum an. In diesem Webinar schauen Mirko und Andreas Zill sich den Weg von Camunda 7 Community Edition zu Operaton an – speziell für diejenigen, die die Engine über REST-APIs anbinden.
Andreas stellt klar: Operaton ist der offizielle, community-betriebene Fork der Camunda 7 CE. Ziel ist es, die bewährte Engine als freie und Open-Source-Software (FOSS) weiterzuführen. Es gibt keine kommerziellen Editionen. Geld fließt nur, wenn du Support oder Managed Services brauchst – nicht für die Software selbst.
Die Migration: Zwei Wege, ein Ziel
Technisch ändert sich für deine REST-Clients (ob PHP, Python oder Ruby) fast nichts. Die API bleibt kompatibel. Die Arbeit steckt im Backend, wo die Java-Abhängigkeiten von Camunda zu Operaton getauscht werden müssen.
Strategie 1 ist der direkte Weg: Du tauschst die Engine in deinem bestehenden Backend aus. Voraussetzung ist, dass du deinen Tech-Stack (Java 8 → Java 17/21, Spring Boot) modernisierst. Wenn du keine eigenen Java-Delegates oder Plugins verwendest, ist der Aufwand überschaubar. Du musst testen. Immer.
Strategie 2 ist der vorsichtige, parallele Betrieb. Hier wird es komplex: Dein Frontend-Clients muss dann mit zwei Backends (alt/neu) kommunizieren können. Einfacher ist es, einen komplett neuen Prozess als „grüne Wiese“ auf Operaton aufzusetzen.
Die Live-Demo: Der Topf wird abgehängt
Andreas zeigt den „mutigen“ Weg. In einer Spring-Boot-Anwendung mit einem laufenden Camunda-7-Prozess und einem PHP-Laravel-Frontend tauscht er live die Dependencies: Aus org.camunda.bpm wird org.operaton. Nach einem Neustart läuft die gleiche Anwendung mit der Operaton-Engine. Der PHP-Client funktioniert ohne eine einzige Codezeile Änderung weiter. Die laufenden Prozessinstanzen und historischen Daten bleiben erhalten.
Das Fazit und die Community
Die Botschaft ist klar: Der Migrationsaufwand kann sich in Grenzen halten, besonders wenn deine Anwendung schlank ist. Die größte Hürde ist oft die Modernisierung des eigenen Java-Stacks, nicht der Engine-Tausch selbst.
Operaton lebt von der Community. Die Roadmap ist voll: DMN 1.6, CMMN, Diskussionen um langfristige Release-Stabilität für Enterprise-Umgebungen. Die Herausforderung ist nicht die Technik, sondern das Schweigen. Viele nutzen die Engine, reden aber nicht darüber. Dabei braucht das Projekt genau das: Beiträge, Sponsoring und vor allem Geschichten, die Mut machen.
Du hast einen Keller voller Camunda-7-Prozesse? Du musst nicht von vorne anfangen. Du kannst die Heizung austauschen, ohne das Haus abzureißen.

