Zerstört Künstliche Intelligenz das klassische Business Process Management (BPM)? Ja, im Sinne einer **kreativen Zerstörung**! KI ist kein Allheilmittel, sondern ein mächtiger Tritt in den Hintern, der BPM dazu zwingt, sich von rein aktivitätsbezogenen Folklore-Prozessen zu lösen und auf ein völlig neues Niveau zu steigen.
Das unumstößliche Fazit: Je unberechenbarer KI-Systeme agieren, desto dringender wird das prozessuale Korsett. BPM bleibt der unverzichtbare Rahmen, um der neuen Unbekannten ein festes Regelwerk zu verpassen.
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#### Highlights und Learnings der Episode:
- *Das McKinsey-Dilemma (Value vs. Hype):* Die großen Studien zum Jahreswechsel 2025/2026 zeigen eine klare Frustration. Trotz des massiven Ausrollens von generativer und agentischer KI korreliert die Technologie nicht mit einem messbaren Wertzuwachs (Value) für die Unternehmen. Der Grund: Es fehlen die End-to-End-Prozessbrille und die Ausrichtung am großen Ganzen.
- *Kreative KI im Frontloading (Christophs Hometurf):* Statt blindlings Tools in den Raum zu werfen, nutzt Christoph Lücke KI strategisch in der Konzeptionsphase. Über Workshop-Formate und ein exklusiv entwickeltes „Prompt Playbook“ wird generative KI als Sparringspartner für das Redesign von Prozessen genutzt, um eine klare digitale Ambition auf Führungsebene zu formen.
- *Agentische KI in der Umsetzung (Stephans Hometurf):* Stephan Heigl integriert KI direkt in die Orchestrierungslösung. Das beginnt extrem niederschwellig beim Strukturieren von unvollständigen Eingangsdaten (z. B. Kundenbriefen) und reicht bis hin zu echten autonomen Entscheidungen (*Agentic AI*).
- *Der kritische Skills-Shift im Prozessmanagement:* Der klassische Berater, der nur stur Kästchen und Linien verschiebt, stirbt aus. Der moderne Prozessmanager muss mehr und mehr Daten und Wissen kuratieren (*Knowledge Management*). Gefragt ist Organisationsentwicklungskompetenz: Agenten müssen wie Abteilungen oder „Kreise“ behandelt werden, denen man einen klaren Zweck, Arbeitsmittel und strikte Compliance-Grenzen mitgibt.
- *Die Gefahr der ungesteuerten Blackbox:* Autonome Agentensysteme neigen durch ihren probabilistischen Ansatz zu unvorhersehbaren Fehlern. Ohne die Kontrolle durch eine zentrale Orchestrierungs-Engine besteht die Gefahr, im laufenden Betrieb Millionen an Token-Kosten blind zu verspielen oder sensible Datenbanken zu kompromittieren.
- *Das Veto des Betriebs:* Die Praxis zeigt oft, dass vollmundig grüne KI-Projekte auf den letzten Metern scheitern, weil sich der IT-Betrieb weigert, ein non-triviales System („A ist nicht immer gleich B“) produktiv zu nehmen. Vertrauen entsteht nur schrittweise über klare Risikobetrachtungen und messbare KPIs.
*Der Ausweg aus dem POC-Friedhof:* Wer Erfolg haben will, darf nicht mit dem Tool einreiten und nach passenden Problemen suchen. Die Experten empfehlen ein strukturiertes Vorgehen: Erst den Prozess analysieren, überflüssige Aktivitäten radikal eliminieren und das verbleibende Skelett gezielt über dezentrale COEs (Centers of Excellence) automatisieren.
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#### Die harten Fakten (Timeline):
00:06 – Intro: Moin zusammen & Die Band-Gründungspläne im Studio
03:48 – Die Provokation: Warum der Titel bewusst ohne Satzzeichen auskommt
05:16 – 7 Jahre Erfahrungswissen: Stephan Heigl über die Evolution der KI im Prozessumfeld
07:25 – Frontloading vs. Umsetzung: Wie sich kreative und operative KI ergänzen
09:30 – Status quo: Was macht klassisches Business Process Management eigentlich aus?
14:33 – Die McKinsey-Erkenntnis 2026: Warum KI-Agenten ohne BPM keinen Value liefern
19:17 – Die 9-Sekunden-Warnung: Wenn die agentische KI Deine Database löscht
22:35 – Die Stufen der Prozessgestaltung: Vom einzelnen Task zum autonomen Generator
27:50 – Schnelle Time-to-Value: Strukturierung von unstrukturierten Eingangsdaten (Briefe/Mails)
30:06 – Holokratie im Code: Warum Agenten wie organisatorische Kreise definiert werden müssen
32:54 – Das Ende des Kästchenschiebens: Warum der künftige Berater mehrere Domänen braucht
35:40 – Das Bern-Rücker-Prinzip: Wie kommt KI vertrauensvoll und produktiv in die Runtime?
38:38 – Die 95%-Hürde: Welchen Fehler machen Unternehmen bei ihren KI-POCs?
41:07 – Botsitting und Ohrenlangziehen: Wer trägt die finale Ergebnisverantwortung?
44:10 – Dezentrale COEs: Das Kontextwissen direkt in den Fachabteilungen verankern
47:01 – Anekdote aus Wien: Wenn der Betrieb die Freigabe des KI-Systems blockiert
53:48 – Digitales Führen: Warum Change Management nichts mit der Technologie zu tun hat
58:03 – Kuratieren statt Modellieren: Klassisches Knowledge Management feiert sein Comeback
01:03:38 – Prozessgeführte Automatisierung: Das rettende Corsett für unberechenbare Agenten
01:06:42 – Der Strategy Signal Workshop: Gemeinsames Commitment auf C-Level-Ebene herbeiführen
01:09:36 – Das Wiener Meetup: Warum der kleine, hybride Club-Austausch die großen Stadien schlägt
