EPISODE 75: Open Source vs. Proprietary – Die Wahrheit über Freiheit und Kosten

Das neue Jahr startet mit einem Grundsatz-Talk: Björn Richerzhagen von MINAUTICS ist zu Gast. Er blickt auf Jahre im Enterprise-Umfeld zurück und bricht eine Lanze für Open-Source-Software (OSS) und digitale Souveränität.

Du erfährst, warum die Entscheidung für eine Software oft eine Entscheidung über deine langfristige Freiheit ist.

Das Märchen von der Sicherheit

Ein gängiges Vorurteil: Wenn jeder in den Quellcode schauen kann, ist die Software unsicherer. Björn stellt klar:

  • Transparenz ist Qualität: In aktiven Communities werden Sicherheitslücken oft schneller gefunden und gefixt als bei proprietären Herstellern mit starren Release-Zyklen.
  • Vertrauen vs. Wissen: Bei geschlossener Software musst du dem Hersteller glauben. Bei Open Source kannst du nachsehen (oder jemanden dafür bezahlen, es zu tun).

Vendor Lock-in: Der Dealer-Effekt

Die IT-Industrie lebt oft vom Vendor Lock-in. Der Mechanismus ist simpel:

  • Niedrige Einstiegshürde: Hersteller machen dir den Anfang leicht und billig (SaaS-Abos, Gratis-Testphasen).
  • Der goldene Käfig: Über die Zeit binden dich proprietäre Formate, Verträge und soziale Faktoren an das System. Ein Ausstieg wird extrem teuer oder unmöglich.
  • Zahlungsarten: Du zahlst entweder mit Euro, mit deinen Daten oder mit dem Verlust deiner Unabhängigkeit.

Strategische Entscheidung: Know-how statt Lizenzen

Ein Wechsel zu Open Source verschiebt die Budgetpositionen in deinem Unternehmen:

  • Proprietär: Geringe Initialkosten, aber dauerhafte (oft steigende) Lizenzgebühren.
  • Open Source: Höheres Initial-Invest in Know-how und Infrastruktur, dafür sinken die Kosten langfristig gegen null.
  • Risikomanagement: OSS erhöht deine Resilienz. Du bist nicht von den geopolitischen oder wirtschaftlichen Entscheidungen eines einzelnen US-Konzerns abhängig.

Die Community unterstützen – Mehr als nur nehmen

Ein kritisches Thema: Viele Unternehmen nutzen OSS („Freibier-Mentalität“), geben aber nichts zurück. Björn schlägt vor:

  • Professioneller Support: Nutze Dienstleister, die Teil der Community sind. Sie bieten SLAs und sind dein Kanal zu den Entwicklern.
  • Aktives Sponsoring: Projekte brauchen Ressourcen. Spende oder finanziere gezielte Feature-Entwicklungen.
  • Die B2B-Abgabe: Dienstleister könnten einen Teil ihrer Honorare direkt an die genutzten Open-Source-Projekte weiterleiten, um deren Fortbestand zu sichern.

Ausblick: Workflow Analytica 2026

Wer tiefer in die Welt der Prozessautomatisierung und der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Technik eintauchen will: Am 7. und 8. Mai 2026 findet die WorkflowAnalytica in Berlin statt. Dort wird das Thema Open Source eine Rolle spielen – abseits von Dogmen, direkt in der Praxis.

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