Das neue Jahr startet mit einem Grundsatz-Talk: Björn Richerzhagen von MINAUTICS ist zu Gast. Er blickt auf Jahre im Enterprise-Umfeld zurück und bricht eine Lanze für Open-Source-Software (OSS) und digitale Souveränität.
Du erfährst, warum die Entscheidung für eine Software oft eine Entscheidung über deine langfristige Freiheit ist.
Das Märchen von der Sicherheit
Ein gängiges Vorurteil: Wenn jeder in den Quellcode schauen kann, ist die Software unsicherer. Björn stellt klar:
- Transparenz ist Qualität: In aktiven Communities werden Sicherheitslücken oft schneller gefunden und gefixt als bei proprietären Herstellern mit starren Release-Zyklen.
- Vertrauen vs. Wissen: Bei geschlossener Software musst du dem Hersteller glauben. Bei Open Source kannst du nachsehen (oder jemanden dafür bezahlen, es zu tun).
Vendor Lock-in: Der Dealer-Effekt
Die IT-Industrie lebt oft vom Vendor Lock-in. Der Mechanismus ist simpel:
- Niedrige Einstiegshürde: Hersteller machen dir den Anfang leicht und billig (SaaS-Abos, Gratis-Testphasen).
- Der goldene Käfig: Über die Zeit binden dich proprietäre Formate, Verträge und soziale Faktoren an das System. Ein Ausstieg wird extrem teuer oder unmöglich.
- Zahlungsarten: Du zahlst entweder mit Euro, mit deinen Daten oder mit dem Verlust deiner Unabhängigkeit.
Strategische Entscheidung: Know-how statt Lizenzen
Ein Wechsel zu Open Source verschiebt die Budgetpositionen in deinem Unternehmen:
- Proprietär: Geringe Initialkosten, aber dauerhafte (oft steigende) Lizenzgebühren.
- Open Source: Höheres Initial-Invest in Know-how und Infrastruktur, dafür sinken die Kosten langfristig gegen null.
- Risikomanagement: OSS erhöht deine Resilienz. Du bist nicht von den geopolitischen oder wirtschaftlichen Entscheidungen eines einzelnen US-Konzerns abhängig.
Die Community unterstützen – Mehr als nur nehmen
Ein kritisches Thema: Viele Unternehmen nutzen OSS („Freibier-Mentalität“), geben aber nichts zurück. Björn schlägt vor:
- Professioneller Support: Nutze Dienstleister, die Teil der Community sind. Sie bieten SLAs und sind dein Kanal zu den Entwicklern.
- Aktives Sponsoring: Projekte brauchen Ressourcen. Spende oder finanziere gezielte Feature-Entwicklungen.
- Die B2B-Abgabe: Dienstleister könnten einen Teil ihrer Honorare direkt an die genutzten Open-Source-Projekte weiterleiten, um deren Fortbestand zu sichern.
Ausblick: Workflow Analytica 2026
Wer tiefer in die Welt der Prozessautomatisierung und der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Technik eintauchen will: Am 7. und 8. Mai 2026 findet die WorkflowAnalytica in Berlin statt. Dort wird das Thema Open Source eine Rolle spielen – abseits von Dogmen, direkt in der Praxis.
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