EPISODE 74 – Die Wahl des Jahres

BPMN Superhero 2025: Der große Jahresrückblick

In dieser Episode wählen Mirko und Volker den BPMN Superhero des Jahres 2025. Volker analysiert als „Highlander der BPMN“ die Top 3 Modelle des vergangenen Jahres mit dem roten Stift. Die Analyse erfolgt gewohnt kritisch, sachlich und im Dienst der Erkenntnis.

Kandidat 1: Servicetechniker-Einsatz

Das Modell zeigt den Prozess von der Anfrage bis zum Servicebericht.

  • Fehlende Struktur: Es fehlen Pools und Lanes. Die „Wer-Frage“ bleibt unbeantwortet.
  • Nachrichtenflüsse: Briefumschläge im Modell erfordern zwingend Nachrichtenflüsse zu externen Partnern. Das fehlt hier komplett.
  • Screenflow-Alarm: Zwei Benutzeraufgaben hintereinander (Techniker zuweisen und Termin planen) deuten auf einen Screenflow hin. Das führt zu unnötigen Klicks in der Process Engine.
  • Logikfehler: Nach der Terminplanung fehlt ein Timer-Ereignis. Ohne Timer würde der Techniker laut Modell sofort nach der Buchung losfahren, egal wann der eigentliche Termin ist.

Kandidat 2: Auftragsabwicklung Autoteile

Ein komplexeres Modell vom Auftragseingang bis zur Lieferung.

  • Stärken: Die Beschriftung ist vorbildlich. Aufgaben nutzen das Aktiv (Liefertermin ermitteln), Unterprozesse die Substantivierung (Lagerbestandsprüfung).
  • Eskalations-Fehler: Eine angeheftete Eskalation an der Lagerbestandsprüfung ist nicht beschriftet. Der Leser weiß nicht, welche Ausnahme auftritt.
  • Transaktions-Lücke: Der Prozess ignoriert die Rückabwicklung bei Stornierungen. Wenn die Ware bereits verpackt oder auf dem LKW ist, bildet das Modell nicht ab, wie die Ware zurück ins Lager kommt. Volker empfiehlt hier dringend den Transaktionsteilprozess.

Kandidat 3: AB-Kampagnen-Management

Ein Modell zur Durchführung von Marketing-Tests.

  • System-Fokus: Das Modell nennt konkrete Systeme wie „CRM-System“. Fachmodelle sollten systemunabhängig und rein fachlich formuliert sein.
  • Fehlende Datenobjekte: Ohne Datenobjekte bleibt unklar, welche Kundendaten abgefragt werden und ob es sich um einzelne Kunden oder Listen handelt.
  • Sinnlose Gateways: Ein paralleles Gateway, bei dem ein Pfad leer bleibt, hat keinen logischen Nutzen.
  • End-Zustand: Volker rät dazu, die sendende Aufgabe und das Endereignis zu trennen. Das ermöglicht eine klare Beschriftung des erreichten Prozesszustands (z. B. „Kampagne erfolgreich beendet“).

Das Urteil

Der Sieg geht an die Kontraktlogistik (Modell 2) von Norman Koss (MINAUTICS). Trotz der meisten Korrekturanmerkungen überzeugt das Modell durch seinen hohen Anspruch und die korrekte Umsetzung komplexer Elemente wie dem Ereignis-Teilprozess. Es ist in Relation zur Komplexität das handwerklich beste Modell.

Praktische Erkenntnisse für dich:

  • Modelliere immer für deine Zielgruppe, nicht für dich selbst.
  • Vermeide Screenflows; fasse zusammengehörige UI-Schritte in einer Benutzeraufgabe zusammen.
  • Nutze Nachrichtenflüsse, sobald Briefumschlag-Symbole auftauchen.
  • Unterscheide zwischen Happy Path (Boundary Event nutzen) und 50/50-Entscheidungen (Gateway nutzen).
  • Denk an die Ausführbarkeit auf einer Process Engine.

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