EPISODE 72 – ACTION BPMN, open source edition „Maschine unter Dampf“

Dein Prozess lernt laufen: Token, Gateways und das Vier-Augen-Prinzip

Automatisierung für alle. Die Revolution geht weiter. Du siehst, wie deine sauber modellierten BPMN-Diagramme zur Ausführung kommen. Das Ziel: Die Process Engine unter Dampf setzen.

Volker Stiehl liefert die Grundlage: Das Verständnis, was eine Prozessmaschine leisten muss. Du benötigst die Logik der Tokens.

Token: Der Zustand deines Prozesses

Tokens sind der rote Ball. Sie zeigen dir den aktuellen Zustand in deinem Prozessmodell. Du verstehst, wo der Prozess steht, bevor die Process Engine handelt.

Drei BPMN-Elemente sind relevant:

  • Kreise (Ereignisse): Das Startereignis erzeugt das Token, das Endereignis zerstört es. Ein Prozess endet erst, wenn alle Tokens zerstört sind.
  • Rechtecke (Aufgaben): Hier passiert die Arbeit. Das Token liegt hier, bis die Aufgabe abgeschlossen ist.
  • Rauten (Gateways): Sie steuern den Fluss.

Volker demonstriert den Unterschied zwischen zwei zentralen Gateways:

  • Paralleles Gateway (Plus): Es verzweigt und führt den Fluss wieder zusammen. Das Token wird vervielfacht und an allen ausgehenden Pfaden gleichzeitig aktiv. Das zusammenführende Gateway wartet auf alle Tokens, bevor es weitermacht.
  • Exklusives Gateway (X): Beim Verzweigen nimmt das Token nur einen Pfad (Highlander-Prinzip). Beim Zusammenführen ist es dusselig: Es leitet jedes ankommende Token sofort weiter, was Tasks unter Umständen mehrfach ausführt.

Du siehst die Simulation dieser Logik im frei verfügbaren Online-Tool BPMN.io Modeler.

Die Konfiguration: Wer macht was, wann, worauf?

Eine Process Engine braucht mehr als nur das Modell. Du musst es technisch anreichern. Das Prozessmodell muss vier Fragen beantworten: Wer macht was, wann, worauf?

1. Wer (Pools & Lanes):

  • Pool: Definiert den gesamten Prozess.
  • Lanes (Schwimmbahnen): Sie definieren die Rollen (z. B. Antragsteller, Genehmiger). Menschliche Aufgaben in einer Lane führt die entsprechende Rolle aus.
  • Kritikpunkt: In Camunda-Forks erfolgt die Rollenzuweisung (der „Assignee“) am einzelnen Task. Das ist suboptimal. Eine bessere Lösung weist die Rolle der gesamten Lane zu.

2. Was, Wann, Worauf (Aktivitäten & Daten):

  • Aktivitäten (Tasks): Was die Process Engine oder der Mensch tut. Benutzeraufgaben erkennst du am Personensymbol.
  • Wann (Sequenzflüsse): Die Pfeile legen die Reihenfolge fest.
  • Worauf (Daten/Form Fields): Du konfigurierst, welche Daten eingegeben oder angezeigt werden. Daten bauen sich über den Prozess als Speicher auf.

3. Das exklusive Gateway konfigurieren:

  • Das Gateway braucht eine Bedingung an den ausgehenden Pfaden (Gates). Ohne Bedingung bricht das Deployment ab.
  • Du legst die Bedingung fest, etwa: ${approved == 'Ja'}.
  • Der Pfad, der greift, wenn alle anderen Bedingungen falsch sind, ist der Standardfluss (Default Flow). Du erkennst ihn an dem kleinen Schrägstrich.

Live-Ausführung: Der Prozess erwacht

Volker demonstriert das konfigurierte Vier-Augen-Prinzip (Bestellprozess) in der Process Engine (Task List und Cockpit).

  1. Start und Token-Ruhe: Der Prozess startet, das Token liegt auf dem ersten Schritt.
  2. Rollenzuweisung (Fozzibär): Der Demo-User muss sich als die konfigurierte Rolle (Fozzibär) einloggen, um die Aufgabe auszuführen. Superuser umgehen dies mit dem Claim-Feature.
  3. Pingpong der Rollen: Fozzibär füllt das Formular aus, die Aufgabe geht an den Genehmiger (Kermit). Kermit lehnt ab, der Prozess geht in die Revision (Schleife) zurück an Fozzibär.
  4. Erfolgreicher Durchlauf: Beim nächsten Anlauf genehmigt der Superuser die Bestellung. Das Token folgt dem Ja-Pfad, passiert den automatisierten Skript-Task (Auftragsnummer 4711 generiert) und informiert den Antragsteller über die angelegte Auftragsnummer.

Das Cockpit zeigt dir live, wie viele Instanzen wo stehen. Du filterst, navigierst und analysierst. Process Engines geben deinen BPMN-Bildern Beine und bringen sie zum Laufen. Prozessautomatisierung ist eine Schlüsseltechnologie.


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