Danke an Theresa Klose von ENERTRAG
processpitch Stories #58 – Strukturchaos meistern mit Tapeten-Taktik
Theresa von Enertrag nimmt uns mit in die Welt des Prozessmanagements bei einem Pionier der erneuerbaren Energien. Im Gespräch mit Mirko verrät sie, wie sie das anfängliche „Strukturchaos“ in dem schnell wachsenden Unternehmen (von 500 auf 1.200 Mitarbeitende in vier Jahren) mit einer ungewöhnlichen Methode bändigt: Prozess-Tapeten.
Vom Blackbox-Chaos zur Prozessklarheit
Enertrag stand vor der typischen Herausforderung vieler skalierender Unternehmen: Die Abläufe waren undokumentiert, Silodenken breitete sich aus, und Digitalisierungsprojekte scheiterten an unklaren Anforderungen. Theresas Antwort? Ein hybrides Modell:
- Dezentrale Ermächtigung: Fachbereiche modellieren ihre Prozesse selbst – unterstützt von zentralen Richtlinien und Tools (hier: BPMN in GBTEC BICProcess).
- Zentrale Steuerung: Ihr Team sorgt für Konsistenz, Datenbank-Anbindung und den Blick über Silogrenzen hinweg.
Doch der Gamechanger war eine scheinbar simple Idee: Statt Prozesslandkarten in Tool-Datenbanken verstauben zu lassen, klebte sie alles an die (digitale) Wand.
Die Tapeten-Strategie: Warum „unordentliche“ Übersichten gewinnen
In einem ERP-Einführungsprojekt zeigte sich das Problem klassischer Prozessdokumentation:
- WKDs (Wertschöpfungskettendiagramme) waren zu abstrakt – niemand sah auf den ersten Blick, welche Rollen, Systeme oder Varianten beteiligt waren.
- BPMN-Modelle blieben in der Tiefe stecken – die Big Picture-Zusammenhänge gingen verloren.
Theresas Lösung? Alles auf eine Tapete packen:
- Ist-Prozesse (bereits modelliert) + ERP-Soll-Struktur („Service to Deliver“, „Source to Pay“) = visueller Abgleich.
- Farbcodes markieren: Was läuft im ERP? Was bleibt extern? Wo klaffen Lücken?
- Workshops direkt an der Tapete: „Ist das euer Prozess? Fehlt was? Warum weicht Team A von Team B ab?“
„Die Kollegen verstehen plötzlich, wo sie in der Wertschöpfungskette stehen – und warum Standardisierung kein bürokratischer Akt, sondern ein Befreiungsschlag ist.“
Lessons Learned
- Lehre aus Lehrbüchern, aber adaptiere: Theresas anfänglich „perfekte“ BPMN-Ordnung scheiterte an der Realität – die „unordentliche“ Tapete brachte den Durchbruch.
- Change braucht Nähe: Prozessarbeit gelingt, wenn sie im Projektkontext passiert – nicht als abstrakte „Wir dokumentieren jetzt alles“-Initiative.
- Daten ≠ Prozesse: Ein ERP-Projekt offenbarte: Viele Abläufe waren gar nicht im System abgebildet – weil niemand die End-to-End-Perspektive hatte.
Was kommt nächste Woche?
IT-Notfallmanagement mit Maximilian aus Kyoto – denn auch Kellerkinder verdienen Prozessliebe.
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