#80 ACTION BPMN, „Wat is’n Gateway?“

Moin zusammen! Willkommen in der Wunderwelt des gut gepflegten Geschäftsprozesses. Hier ist der Process Pitch – heute mit einer neuen Folge Action BPMN, in der wir die Hosen der Engine-Hersteller ein wenig runterlassen.

Mit dabei: Prof. Volker Stiehl, der Mann, der Gateways nicht nur modelliert, sondern sie seziert. Heute klären wir die Frage: „Wat is’n Gateway?“ – und warum viele Hersteller dabei eher auf Sicht fahren.

Hier ist das Protokoll für alle, die Weichen stellen wollen, ohne im Deadlock zu verenden:

1. Das parallele Gateway (AND): Die Botschaft der Unabhängigkeit

Volker schießt direkt scharf gegen die offizielle Bezeichnung der OMG. „Parallel“ klingt nach Gleichzeitigkeit, aber eigentlich ist es ein „Mir-doch-egal-Gateway“.

  • Die Botschaft: Das, was danach kommt, hat keine gegenseitige Abhängigkeit. Ob du erst den Flug buchst oder erst das Hotel, ist dem Prozess wurscht.
  • Der Clou: In der Ausführung vermehrt es Token wie Karnickel. Einer geht rein, drei kommen raus. Bei der Zusammenführung wartet es stoisch, bis alle Token wieder da sind.
  • Hersteller-Watch: Vorsicht bei der Zusammenführung! Manche Engines zählen nur die Anzahl der Token, statt zu prüfen, ob sie von den richtigen Pfaden kommen. Da wird die „Dampfmaschine“ schnell zum Risiko.

2. Das exklusive Gateway (XOR): Das Highlander-Prinzip

„Es kann nur einen geben.“ Aber Achtung: Das Gateway trifft keine Entscheidung. Es ist nur der Türsteher, der den Ausweis kontrolliert.

  • Keine Zeitverschwendung: Ein Gateway wertet nur aus, was vorher (z. B. in einer Benutzeraufgabe) entschieden wurde. Wer am Gateway „entscheidet“, hat laut Volker das Prinzip nicht verstanden.
  • Das Gehirn (Prozesskontext): Wir werfen Daten in einen Container (Variable), das Gateway guckt rein und schickt das Token auf die entsprechende Reise (Bahn, Bus oder Mietwagen).
  • Default-Gate (Fliegenschiss): Modelliert immer einen Standardfluss! Wer das vergisst, riskiert einen Deadlock. Wenn keine Bedingung wahr ist, bleibt das Token einfach stehen. Prozess-Tod durch Arbeitsverweigerung.

3. Das inklusive Gateway (OR): Die intelligente Zicke

Das Schweizer Taschenmesser unter den Gateways, aber für Programmierer ein Albtraum.

  • Flexibilität: Es aktiviert alle Pfade, deren Bedingungen wahr sind. Von einem bis zu allen ist alles drin.
  • Intelligenz-Check: Das zusammenführende inklusive Gateway muss „hellsehen“. Es darf erst weitermachen, wenn sicher ist, dass kein weiteres Token mehr eintreffen kann.
  • Ehrliches Wort: Viele Engines drücken sich vor der perfekten Implementierung. Da kommt dann oft der Satz: „Ham wir nicht, aber nimm doch diesen hässlichen Workaround.“

4. Gehirnjogging: Die „Spinne“ und andere Sünden

Volker warnt vor der „Spinnen-Modellierung“ (N-zu-M-Gateways), bei denen mehrere Pfeile rein- und rausgehen.

  • Modellierungs-Hygiene: Nutzt Gateways immer in Pärchen (auf und zu). Wer Spinnen baut, produziert Deadlocks und ratlose Gesichter.
  • Technik vs. Fachlichkeit: Nur weil ein technischer Workaround funktioniert, ist das Modell noch lange nicht gut. BPMN ist keine Programmiersprache, sondern eine fachliche Ausdrucksweise. Wer friemelt, verliert die Transparenz.

Fazit: Ein Gateway ist mehr als eine Raute. Es ist ein Versprechen an die Ausführung. Wenn der Hersteller sagt: „Das hat noch nie ein Kunde nachgefragt“, dann weißt du: Er hat die BPMN-Ehre verletzt.

Nächstes Mal wird’s nerdig: Großhirn-Voodoo mit Datencontainern. Wir steigen tief in den Prozesskontext ein. Schnallt euch an!


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