*Die Mission: Befreiung aus der Komplexitätsfalle.* Der *Gast* Matthias Riedel (Telekom MMS) berichtet von einem Projekt bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Ein klassisches Enterprise-RPA-Szenario drohte an technischer Intransparenz und hohen Lizenzkosten zu scheitern. Die Lösung: Ein radikaler Schwenk auf schlanke Open-Source-Technologie.
Der Status Quo: Die RPA-Sackgasse
Die Sparkasse startete motiviert mit einer namhaften Enterprise-RPA-Lösung (Lizenzkosten ca. 200.000 €). Nach ersten Erfolgen bei einfachen Aufgaben kollabierte das System bei komplexeren Prozessen.
- *Das Problem:* Eine „10 Meter lange Tapete“ aus ineinander verschachtelten Logik-Kästchen wurde unwartbar.
- *Fehlerdiagnose:* Kryptische Fehlermeldungen und asynchrone Protokolle beim E-Mail-Abruf machten das Debugging im geschlossenen Enterprise-System unmöglich.
- *Erkenntnis:* Das Enterprise-Tool stülpt eine Fassade über Probleme, anstatt sie zu lösen.
Schritt 1: Unter die Motorhaube (Investigation) Matthias Riedel und sein Team analysierten das System auf DLL-Ebene.
- *Technik-Check:* Viele Enterprise-Tools basieren selbst auf Open-Source-Bibliotheken (z. B. Selenium).
- *Entscheidung:* Statt Monate in die Fehlersuche eines starren Frameworks zu investieren, wurde ein Prototyp auf Python-Basis vorgeschlagen.
- *Risiko-Deal:* Die Telekom MMS bot an, das Risiko zu teilen: Funktioniert die neue Lösung in 5 Tagen nicht, trägt der Dienstleister die Kosten.
Schritt 2: Schlankes Re-Engineering mit Python Innerhalb von nur 10 Tagen (davon 5 Tage reine Entwicklungszeit) wurde der Prozess neu aufgesetzt.
- *Open Source:* Einsatz von Python und dem Selenium-Framework für maximale Transparenz und Kontrolle.
- *Exception Handling:* Statt an unbekannten Fehlern zu scheitern, wurden spezifische Ausnahmen (z. B. fehlende E-Mail-Anhänge) präzise im Code abgefangen.
- *Audit-Sicherheit:* Gemeinsam mit den Sparkassen-Informatikern wurde jede Zeile Code auditiert. Das Ergebnis: Volle Souveränität über die Logik ohne „Blackbox“-Effekte.
Schritt 3: Der strategische Mehrwert Das Projekt bewies, dass RPA mehr sein kann als ein „Pflaster“ (Kaffee-Lösung).
- *Dokumentation:* Durch den sauberen Code und BPMN-Modelle entstand eine belastbare Prozessdokumentation.
- *Skalierbarkeit:* Die Lizenzkosten fielen weg. Neue Prozesse können nun ohne zusätzliche Pro-Bot-Gebühren implementiert werden.
- *Roadmap:* Die sauberen Vorarbeiten legen die Basis für eine spätere Orchestrierung mit Camunda, falls die Komplexität weiter steigt.
— Das Projekt im Detail: Kapitelübersicht
00:03:30 – Flexibilität schlägt Planung: Warum Improvisation im Projektmanagement wichtig ist
00:05:40 – Open Source als Backbone: Von Linux bis Docker in der Enterprise-IT
00:10:50 – Die Ausgangslage: RPA-Einführung bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden
00:13:10 – Die Komplexitätsfalle: Wenn Low-Code-Prozesse zur „10-Meter-Tapete“ werden
00:18:50 – Debugging-Hölle: Kryptische Fehler beim automatisierten E-Mail-Abruf
00:21:40 – Der Risiko-Deal: Prototyping auf Python-Basis in 5 Tagen
00:25:30 – Die Operator-Ebene: Monitoring und Statistik für schlanke Bots
00:29:40 – Code-Audit: Gemeinsame Abnahme mit den Sparkassen-Informatikern
00:33:15 – RPA als Basis für Legacy-Modernisierung: Dokumentation schlägt Chaos
00:37:30 – Digitalisierungsgrad: Wie man die manuelle Prüfung von Personalausweisen automatisiert
00:40:30 – Ausblick: Orchestrierung mit Camunda als nächster logischer Schritt
00:45:30 – Strategie: Warum man den Schmerz empfinden muss, bevor man investiert
00:50:30 – Marktbereinigung: Die Volatilität von Enterprise-Preisschildern (Beispiel Signavio) —
*Status:* Enterprise-Fassade durchbrochen. Open-Source-Kern stabil. Lizenzkosten eliminiert.
*Hausaufgabe:* Prozesse dokumentieren (BPMN), bevor teure Tools gekauft werden. Am Ende entscheidet das Denken, nicht die Lizenz.
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